Stifterforum der Bürgerstiftung Ostfildern mit Festvortrag von Prof. Dr. Thomas Klie zum Thema „ Kommunen am Wendepunkt – Taugt das Leitbild einer Caring Community“ – Stiftungsrat für vier Jahre neu gewählt.

Bei dem diesjährigen Stifterforum der Bürgerstiftung Ostfildern und ihrer Treuhandstiftungen, der Futterer-Stiftung und der Reichert-Stiftung, im Saal des Stadthauses standen der Festvortrag von Prof. Klie von der Evangelischen Fachhochschule Freiburg und der Bericht zu einem umfangreichen und anspruchsvollen Arbeitsjahr 2015 im Mittelpunkt.

Die jungen Künstler Julius Stupp, Querflöte und Natalie Bachayan am Flügel bezauberten zum Auftakt mit Musik von Paul Harris und Pal Yardani.  Stiftungsratsvorsitzender Prof. Dr. Ernst Hagenmeyer begrüßte die Stifter, Förderer und Gäste und Oberbürgermeister Bolay würdigte die Arbeit der Bürgerstiftung, die sich seit ihrer Gründung großartig entwickelt habe und auch die Stadt in der aktuellen Flüchtlingssituation mit der Verpachtung von Wohnraum und einem Grundstück unterstützt hat.

Prof. Dr. Thomas Klie, einer der führenden Sozialexperten in Deutschland und Vorsitzender der neuen Sachverständigenkommission zur Erstellung des Zweiten Engagementberichts spannte in seinem engagierten Vortrag einen weiten Bogen.  Der reichte vom Palliativverbund aus tausenden von engagierten jungen Ehrenamtlichen und Profis im indischen Bundesstatt Kerala bis hin zum Modell der „Sorgenden Kommune“ (Caring Community), in der man sich um Kinder, Flüchtlinge, Integration,  um Werte, um Spiritualität, den Anderen, um Verletzbare und um Sterbende und Trauernde kümmert.

Er zeigte auf, dass wegen der  Umbrüche unserer Gesellschaft – den demografischen Wandel, die Zuwanderung, die Auflösung alter Familienmuster, den Zuwachs an Pflegebedarf – ein neues Bündnis von Bürgern und Profis vor Ort gefunden werden muss.

Die Furcht vor Veränderung, vor dem Fremden, die Frage „wird für mich gesorgt sein?“ das treibe die Menschen um. Aber viele sorgten sich um andere, gerade auch um Flüchtlinge, und suchten sinnerfüllte Tätigkeiten. Die Sorge um den Anderen und das Glück des Anderen sei als zentrale Dimension der Existenz anzusehen. „Die einfache Sorge ist aller Dinge Anfang“ zitierte Klie hier Albert Camus.

Kommune sei der Ort für das soziale Miteinander und gegenseitige Verantwortung. „Die Caring Community“ so Klie, „bietet die Chance, in einem neuen Zusammenspiel von Bürgerschaft und Staat ein tragfähiges Leitbild für eine Gesellschaft auch hier in Ostfildern zu entwickeln, die sich in neuer Weise Sorgeaufgaben stellen wird.“ Und, so der Sozialexperte weiter: „Damit dies gelingt, braucht die Kommune aber auch Geld und gesetzliche Rahmenbedingungen, so dass eigenständige Wege möglich werden.“ Für seinen nachdenklichen, Mut fordernden und Wege weisenden Vortrag erhielt Prof. Klie viel Beifall.

Dr. Ludger Eltrop stellte für den Vorstand die weiterhin sehr positive Entwicklung aller drei Stiftungen vor und betonte, dass die Bürgerstiftung trotz der ungünstigen Zinsmärkte handlungsfähig ist und jährlich über 100.000 Eur an Fördermitteln ausschütten kann. Das Geldvermögen der BSO überschritt neben dem Immobilienvermögen die 700.000 Euro-Marke.

Durch kontinuierliche Spenden und Zustiftungen beläuft sich das Vermögen der Futterer-Stiftung auf 225.000 €. 

Die junge Treuhandstiftung des Ehepaares Klaus- und Waltraut-Reichert konnte in den vier Jahren der Zugehörigkeit zur BSO ihr Vermögen auf jetzt 947.000 € erhöhen. Für die Jahre 2016 bis 2020  wurde ein neuer Stiftungsrat gewählt. Ihm gehören als Schirmherr Oberbürgermeister Christof Bolay und weitere 15 Frauen und Männer aus den verschiedensten Bereichen der Bürgerschaft in Ostfildern an.

Text: Dr. Peter Stapelberg, Fotos: Paul Petersen