Die Alb war mein kindlicher Spielplatz

Im März war Professor Ernst Waldemar Bauer zu Gast bei den Ostfilderner Portraits, der gemeinsamen Veranstaltungsreihe von Bürgerstiftung, Volkshochschule und Musikschule Ostfildern. Dr. Peter Stapelberg, Mitglied des Vorstandes der Bürgerstiftung, moderierte den mit rund 40 interessierten Bürgern gut besuchten Abend. Sara Neitzel und Prisca Hermann aus der Gitarrenklasse von Herrn Niederberger beeindruckten die Gäste mit gefühlvollen Gitarrenklängen.

Gerade erst ist sein neues Buch „Zauber der Schwäbischen Alb“ im Silberburg Verlag erschienen, schon arbeitet der 83-Jährige an einem neuen Buch, einem Kriminalroman, der ebenfalls auf der Alb spielen wird. Das Schreiben, so sagt er, hat ihn nie losgelassen. Das Talent wurde ihm sicherlich auch in die Wiege gelegt: alle seine Vorfahren väterlicherseits, über den Vater, Großvater usw. bis zurück zum Dreißigjährigen Krieg, waren Lehrer. Als Bauern und Gelehrte verdienten sie sich ihr Brot auf der kargen Schwäbischen Alb. Alleine seine beiden Töchter unterbrechen nun diese Tradition.

1926 in Onstmettingen, heute ein Stadtteil von Albstadt, geboren, ging Bauer die ersten Jahre ins eigene Wohnzimmer, zu seinem Vater, zur Schule. Die Schule befand sich in der Lehrerwohnung des Dorfes. Die starke Bindung an die Alb in seinen Kinderjahren hat ihn bis heute geprägt. Er konnte viel Zeit in der Natur verbringen. Nach der Versetzung seines Vaters nach Glems und später Nürtingen ging er in der Hölderlinstadt aufs Gymnasium. Als Zwölftklässler wurde er als Flakhelfer eingezogen und war zeitweise in Heumaden stationiert.  

Nach dem Krieg studierte er Geologie, Biologie und Chemie auf Lehramt in Tübingen und war mehrere Jahre am Esslinger Georgii-Gymnasium tätig. In den 1950er Jahren verfasste er seine ersten Bücher über Geologie und Biologie. In den 1960er Jahren war er Autor und Herausgeber der Zeitschrift Die Natur. 1964 bis 1988 war er Direktor des Staatlichen Seminars für Schulpädagogik in Esslingen.  

Neben dieser pädagogischen Laufbahn kam er 1964 zum Hessischen Rundfunk, wo er ab 1968 die Sendung Wunder der Erde konzipierte und produzierte, von der 184 Folgen bis 2006 liefen. Diese Sendereihe machte ihn deutschlandweit bekannt und führte ihn zu den schönsten Plätzen der Erde. Eindrücklich schilderte er seine Begegnungen mit Brüllaffen im Regenwald von Belize und erzählte über die Filmarbeiten während des Vulkanausbruchs auf der isländischen Insel Heimaey 1973. Seine Frau Isolde begleitete ihn dabei immer als Fotografin und als Produzentin der Sendereihe. Vor allem Höhlen waren und sind seine Leidenschaft. Viele seiner Filme und seiner Bücher haben sie als Thema. Daneben war er auch politisch tätig und 1984 bis 1988 für die FDP im Landtag und dort umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion.  

Noch immer hat der Ostfilderner Bürger so viele Verpflichtungen, dass er zwei Sekretärinnen zuhause in der Parksiedlung beschäftigen muss. Auch das übernächste Thema ist schon geplant, ein Buch über die Donau. „Wir denken nicht ans aufhören“ schloss er den Abend ab, ehe die Gäste mit ihm persönlich ins Gespräch kommen durften.  

Ernst Waldemar Bauer und Moderator Peter Stapelberg im Gespräch mit dem Publikum.