Offenes Atelier im Nachbarschaftshaus im Scharnhauser Park in Ostfildern geht ins vierte Jahr

„Durch die Linse gesehen – Entdeckungen und Verwandlungen mit der Sofortbildkamera“ heißt das Kunstprojekt, mit dem das Offene Atelier im Nachbarschaftshaus im Ostfilderner StadtteilScharnhauser Park in sein viertes Jahr geht. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Künstler Thomas B. Lichtenbergh können die Teilnehmer ab 14. Oktober mit Fotos und Malerei experimentieren und so Neues schaffen.

Gabriele Beck von der Leitstelle für Ältere Menschen in Ostfildern zieht eine positive Bilanz der ersten drei Jahre im Offenen Atelier, in dem Menschen aus der Stadt, aber auch umliegenden Orten zum kreativen Tun zusammenkommen. „Das Atelier ist ein wunderbarer Raum der Begegnung und ein Ort der Inklusion geworden, in dem sich Menschen mit und ohne Demenz treffen“, sagt sie. Gerade Menschen mit Demenz erleben das Atelier als einen geschützten, familiären Ort. „Sie erfahren hier, dass sie noch Vieles gestalten können.“ Auch für Gisela Burgfeld, die Koordinatorin für bürgerschaftliches Engagement im Offenen Atelier, ist das Konzept aufgegangen: „Es ermöglicht unseren Gästen über kreative Tätigkeiten die Teilhabe und die wohltuende und ganz unterschiedliche Begegnung mit anderen.“ Angehörige von Menschen mit Demenz haben hier die Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu sein, betont Gabriele Beck.

Regelmäßig gewinnen die Initiatoren Künstlerinnen und Künstler für das Offene Atelier, die mit den Gästen kreative Ideen umsetzen. „Diese Künstlerprojekte sind Türöffner und geben Interessierten die Möglichkeit, das Offene Atelier kennenzulernen“, erklärt Beck. In diesem Jahr lädt Thomas B. Lichtenbergh dazu ein, mit Fotografien zu arbeiten. Mit einer Sofortbildkamera aufgenommene Bilder werden auf andere Trägermedien übertragen und dann in unterschiedlichster Weise ausgestaltet. Man kann sie unter anderem übermalen, bedrucken oder Collagen daraus fertigen –  der Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt.

Der Künstler, der in seinen Arbeiten mit Fotografie, Malerei und gescannten Alltagsobjekten experimentiert, hat bewusst das „altmodische“ Medium Sofortbildkamera gewählt. Denn im Projekt geht es auch darum, Erinnerungen zu wecken. Lichtenbergh weiß aus seiner eigenen Familie, wie wichtig das Erinnern für Menschen mit Demenz ist. Fotos können Träger von Erinnerungen sein. Deshalb dürfen Teilnehmer gerne auch eigene Dias beisteuern, die dann kopiert und weiterverarbeitet werden.

Der Künstler ist selbst gespannt, was im Projekt entsteht. Lichtenbergh will den Teilnehmern keine Beschränkungen auferlegen oder Zielvorgaben machen: „Es geht nicht darum, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen.“ Ihm liegt am Herzen, dass die Teilnehmer sich wohlfühlen, Spaß haben und Freude empfinden. Unterstützt wird der Künstler von bürgerschaftlich Engagierten, die alle willkommen heißen und sich um diejenigen Teilnehmer kümmern,  die Unterstützung benötigen.

Der Workshop findet in der Zeit vom 14. Oktober bis 11. November jeweils mittwochs von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Offenen Atelier statt. Zum Abschluss wird es am 17. November eine kleine Ausstellung geben. Eingeladen zum Projekt sind alle Menschen, jung und alt, ohne oder mit Demenz und anderen Handicaps, die Freude daran haben, ihre schöpferischen Fähigkeiten zu entdecken. Um besonders das partnerschaftliche, gemeinsame Schaffen zu fördern, sind vier Plätze freigehalten, für zwei Teilnehmer mit Demenz mit je einem Angehörigen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich und es entstehen den Teilnehmern keine Kosten. Das Projekt wird von der Bürgerstiftung Ostfildern gefördert.

 

Fotohinweis: Künstler Thomas Lichtenbergh mit Gabriele Beck im Offenen Atelier im Nachbarschaftshaus. Text und Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger