Ohne ehrenamtliche Hilfe hätten sie es nicht geschafft, sagen viele Geflüchtete, die inzwischen Deutsch gelernt, Schulen, Ausbildungen oder ein Studium erfolgreich absolviert haben und im Beruf stehen. Dazu hat Ostfilderns wichtigstes Projekt für die Integration, das von der Bürgerstiftung, der Stadt und dem Freundeskreis Asyl Ostfildern getragene Mentoring-Projekt, wesentlich beigetragen. Seit dem Start im Mai 2016 unterstützen Mentorinnen und Mentoren geflüchtete Menschen – ob beim Deutschlernen, bei der Alltagsbegleitung, in der Schule, bei der Ausbildung, dem Berufseinstieg oder bei der Begleitung ganzer Familien. Um eine gewisse Verbindlichkeit herzustellen, schließen Mentor*innen und Mentees Vereinbarungen ab. Weit über 500 Vereinbarungen sind seither geschlossen worden; etwa 100 davon sind aktiv. Nachdem die Koordination zunächst auf Honorarbasis über das Programm „Menschen stärken Menschen“ des Bundesfamilienministeriums lief, steht seit Mai 2019 durch einen Zuschuss der Stadt Ostfildern eine 40-Prozent-Stelle zur Verfügung.             

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit verändert. So konnte vieles nur noch telefonisch, per mail oder auf digitalen Plattformen laufen. Einige Mentorinnen und Mentoren zogen sich zurück oder pflegten die Kontakte lieber aus der Ferne; so gab es unter anderem Deutschunterricht per Whatsapp und Nachhilfe per skype und zoom, um keine Lücke beim Lernen entstehen zu lassen. Und ganz kreativ organisierte die Koordinatorin Sarah Naaseh in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Kemnat und einer Kollegin der Stadt ein Maskennähprojekt von einheimischen und geflüchteten Ehrenamtlichen. Längst ist durch das Mentoring-Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl ein Netzwerk über alle Stadtteile Ostfilderns entstanden; in vielen Fällen haben sich daraus Freundschaften entwickelt. Inzwischen geht das Netzwerk auch über Ostfildern hinaus: So sind enge Kontakte zum Ausbildungscampus Stuttgart entstanden. Die Schwerpunkte des Mentoring-Projekts verändern sich im Laufe des Integrationsprozesses bei der Mehrheit der Geflüchteten, die schon einige Jahre hier sind. Die Zahl neuer Geflüchteter, die erste Hilfe bei allen Herausforderungen des Alltags benötigen, ist gesunken; dafür benötigen viele Schüler und Schülerinnen in der Grundschule oder weiterführenden Schulen Unterstützung bei den Hausaufgaben sowie meist junge Männer Hilfe bei der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss oder für Prüfungen in der Berufsschule. Neu ist der Versuch, motivierte Geflüchtete in verschiedenste Ehrenämter jenseits des Dolmetschens zu vermitteln. Und auch bei den Mentorinnen und Mentoren hat sich die Bedarfslage geändert: waren in den ersten Jahren Schulungen, Workshops und Austauschformate zu verschiedensten rechtlichen, interkulturellen und patenschaftlichen Fragestellungen stark gefragt, ist das Interesse daran zurückgegangen. Nach wie vor wichtig ist – unter anderem durch den Nachzug von Frauen und Kindern – die Integration von Kindern in Kita und Schule, die Unterstützung besonders von Müttern beim Deutschlernen und die Betreuung ganzer Familien.

Stabwechsel bei der Koordination

Mitte Dezember wird es einen Wechsel bei der Koordination des Mentoring-Projekts geben:

Die Arabistin und Islamwissenschaftlerin Sarah Naaseh, die im Mentoring-Projekt in den letzten eineinhalb Jahren mit großem Organisationstalent und viel Einsatz trotz Corona sehr viel bewegen konnte, hat sich beruflich anders orientiert. Sie übergibt die Aufgabe an Daad Lorenz. Diese hat in Bagdad Informatik studiert, lebt seit langem mit ihrer Familie in Deutschland und ist als freiberufliche Übersetzerin für Arabisch tätig. In Ostfildern sieht man es Glücksfall, mit Daad Lorenz erneut eine Koordinatorin gefunden zu haben, die eine der Sprachen der wichtigsten Fluchtregion spricht und mit der dortigen Kultur vertraut ist.

Für das Programm werden fortwährend neue Mentorinnen und Mentoren für einzelne Geflüchtete oder auch Familien gesucht. Die Koordinatorin begleitet die Patenschaften und unterstützt die Mentorinnen und Mentoren bei ihren Aufgaben. Interessierte wenden sich bitte an Daad Lorenz  unter mentoring.buergerstiftung@outlook.de oder 0178 8255337.  

Weitere Informationen finden Sie unter   

https://www.buergerstiftung-ostfildern.de/coronakrise-fruehjahr-2020-mentoring-unter-erschwerten-bedingungen/  

https://fkasyl-ostfildern.de/mentoring-projekt/

Das Projekt wird über den Bundesverband Deutscher Stiftungen e.V. im Rahmen des Patenschaftsprogramms „Menschen stärken Menschen“ vom Bundesfamilienmisterium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Kontakt: Ursula Zitzler, Vorsitzende des Freundeskreises Asyl Ostfildern e.V.                                                    Tel. 0711 735 69 36 | vorsitz@fkasyl-ostfildern.de