Kunstprojekt an der Lindenschule-Grundschule

Wie kommen die Striche ins Holz? 

Kunstprojekt mit Tobias Ruppert und der Lindenschule

22 Jungen und Mädchen stehen staunend im Scharnhauser Atelier des Künstlers Tobias Ruppert. Die Sechs- bis Achtjährigen, die die erste Klasse der Lindenschule besuchen, erhielten Einblick in den Hort der Kreativität im Rahmen eines Kunstprojekts, das die Bürgerstiftung Ostfildern in Kooperation mit Tobias Ruppert und der Städtischen Galerie auf die Beine gestellt hat. Ausgangspunkt war die Künstlermappe, die Ruppert und elf weitere Ostfilderner Künstlerkollegen 2008 entworfen hatten. Die Mappe und das Thema Kunst sollten nun in einer Aktion, die sich auf vier Tage verteilt, in die Schule getragen werden.

 

Klassenlehrerin Ursula König zeigte sich sofort begeistert und trat mit den Grundschülern und Unterstützung von Deutschlehrerin Stephanie Lipp die Busfahrt in die Liebigstraße an. Dort führte Ruppert in den Künstleralltag ein: „Was macht ein Künstler den ganzenTag?“ Er entwirft, zeichnet und gestaltet, beispielsweise ein künstlerisches Mühlrad, 2,50 Meter im Durchmesser. „So groß?“, staunt ein Junge ungläubig, und will wissen: „Wie hast du das geschafft?“ Die Schüler sind fasziniert von allem in Werkstatt und Büro des Künstlers. Ein Junge versichert trotz offensichtlicher Verlockung durch eine Glasskulptur: „Ich lass‘ meine Finger bei mir.“ Als die Kinder das Wort „blau“ auf dem grünen Holzschnitt von Ruppert entziffern können, ist Deutschlehrerin Lipp sichtlich begeistert.

Ruppert erklärt, dass der Titel in Anlehnung an das Sprichwort, „das Blaue vom Himmel lügen“, entstanden ist. Er erklärt auch die Spiegelschrift, die für den Druck notwendig ist: „Da muss man rückwärts schreiben.“ Die Kinder sind erst beruhigt, als er ihnenversichert, dass er auch vorwärts schreiben könne. „Das habe ich in der Schule gelernt.“Die Holzmaserung auf einem Blatt erkennen die Kinder als Striche oder Regen.

„Wie kommen die Striche ins Holz“, will Ruppert von den Kindern wissen. „Das war der Baum“, sagt ein Junge prompt. Gegen Ende erklärt der Künstler den Druckvorgang, und die Schüler dürfen eine eigene kleine Arbeit erstellen. Beim ersten Blatt, das aus der Presse kommt, entfährt einem der Kinder ein ehrlich verblüfftes „Wow“. Die restlichen Arbeiten werden von Ruppert gedruckt und in die Schule mitgebracht. Im Klassenzimmer wird an zwei Vormittagen über die Künstlermappe gesprochen, und die Erstklässler dürfen nochmals kreativ werden. Beim vierten Zusammentreffen von Kindern und Künstler wird die Städtische Galerie besucht.